Digital-Detox und Handysucht

Eine meiner Sommerlektüren war das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Ein Buch welches sich sehr stark mit dem Thema Drogensucht beschäftigt und letztendlich die Droge Heroin verurteilt. Während dem Lesen gab es viele Momente, in denen ich die Charaktere des Buches am liebsten angeschrien hätte. „Ihr hattet gerade einen Entzug und jetzt fangt ihr ohne Grund wieder mit Heroin an!? Seid ihr dumm!“ „Warum geht ihr schon wieder auf diesen beschissenen Bahnhof, wenn ihr genau wisst, dass ihr dort doch wieder nur Drogen nehmt?!?!“ „Warum ist euch nicht bewusst, dass ihr nicht von jetzt auf gleich sofort mit Heroin aufhören könnt!?“

Nachdem ich das Buch jedoch beendet hatte, wurde mir klar, dass ich mich eigentlich selbst anschreien müsste. Was in dem Buch Heroin ist, ist für mich mein Handy oder besser gesagt das Internet. Die Angst etwas zu verpassen. Die Neugierde, welche mich dazu zwingt immer und überall, über alles informiert sein zu wollen! Ich glaube wirklich noch, jederzeit mein Handy weglegen zu können. „Eine Woche ohne Internet? Das schaffe ich locker!“

Eigentlich sollte ich mich selbst auslachen, mir so etwas tatsächlich einzureden. Wie kann ich glauben, ohne Internet und Handy auszukommen? Ich bin doch die, die bei plötzlichem WLAN oder Netz-Problemen sofort die Krise bekommt und alles andere Fallen lässt, nur um den Fehler schnellstmöglich zu beheben!

Mir geht es wie den Charakteren im Buch. Ich fahre auf „Digital-Detox“ in ein anderes Land mit dem Gedanken, dort ja nicht mein Datenroaming aufzudrehen. Nach 7 Tagen halte ich es nicht mehr aus und fange an, wieder für eine kurze Zeit am Tag im Internet zu surfen. Instagram und Whatsapp wird wieder aktiviert. Sobald ich zuhause bin, finde ich mich erneut auf YouTube, Spotify, Netflix und co. wieder.
Kein Internet geht nicht mehr! 

Warum wundert es mich, dass die Protagonisten in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ immer wieder in die Drogen-Community gehen? Ich bewege mich ja auch ständig zwischen Personen, die nicht minder Handy- & Internetsüchtig sind. Nein ich gehe eher zu denen, die noch stärker abhängig sind als ich, damit ich mich selbst besser fühle.

Das Schlimmste an unserer Sucht des ständigen Informiert- und Ereichbarseins, ist jedoch nicht die geistige Verdummung, der krumme Rücken oder die nachlassende Aufmerksamkeitsspanne. Das Schlimmste ist die soziale Akzeptanz. Dass man fast schon ausgeschlossen bist, wenn man die Social Media Plattformen nicht benutzt, es vorausgesetzt wird, dass man um 22 Uhr auch noch für den Chef erreichbar ist und es total normal ist, wenn man das Handy beim Essen vor sich auf den Tisch legt, um ja jede Nachricht gleich sehen zu können.

Wir lesen Bücher wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, reden uns ein, dass uns das selbst nie passieren kann, machen uns sogar noch über die Dummheit der Charaktere lustig… Dabei stecken wir alle schon selbst ganz tief drin in der Scheiße.

Wüsste ich doch nur, wie man die allgemeine Internetsucht bekämpfen könnte. Wüsste ich wie ich mir selbst so einfach helfen könnte, ich hätte einen Beitrag darüber geschrieben.

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5 Gedanken zu “Digital-Detox und Handysucht

  1. Liebe Sarah,
    da hast du wirklich recht, es ist wirklich erschreckend und traurig. Aber ich muss gestehen, dass ich am Wochenende mein Handy wirklich mal den halben Tag irgendwo liegen lassen und dann Abends alles auf den Kopf stellen muss. Nur Sonntagabend und während der Woche ist es extrem, da ich spontan arbeite und deshalb für meine Chefins morgens und abends erreichbar sein muss. Das ist hart und ich ertappe mich leider immer wieder dabei, wie ich meinen Blog checke, obwohl ich nur „kurz“ nach einer neuen E-mail gucken wollte.

    Liebe Grüße
    Freyja
    (Mein Blog ist umgezogen, du findest ihn nun unter https://www.freyjasthing.de . Ich freue mich, wenn wir uns dort wiederlesen)

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Freya!
      Wenn Arbeit und Handy so stark miteinander verknüpft sind, dann kann das echt anstrengend sein! Doch es hat manchmal auch Vorteile… Es ist gut, das du deine Handynutzung wenigstens am Wochenende (wenn du nicht arbeiten musst) runterschrauben kannst. Mir fällt das leider nicht immer so leicht :(.

      Und natürlich bleibe ich eine treue Leserin, auch wenn du umgezogen bist 😘!
      Alles Liebe,
      Sarah

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